Wie Typografie politische Botschaften beeinflusst

Jede Partei entwickelt durch Logo, Plakate, Webseiten, Broschüren, Flyer ihr eigenes Design. Was sagt uns das und wer bekommt das am besten hin? Erik Spiekermann, einer der bekanntesten deutschen Typografen und Gestalter, kann es erklären

Interview: Manuela Thieme / Collagen: Jakub Krechowicz

Kann man mit Schrift, mit Typografie, einen Machtanspruch formulieren?

Wissentlich sicher nicht. Doch unbewusst erzeugt Schrift einen Ton. Wir Typografen schreiben nicht die Texte, aber wir vertonen sie sozusagen.

Klassik, Rock, Techno, Volksmusik – so in dem Sinne?

Ja, zumindest die Richtung wird angespielt. Menschen erkennen Schriften nicht automatisch, das dauert. Die Deutsche Bahn nutzt seit 2008 eine Schrift, die ich für sie entwickelt habe. Jetzt ist es so weit, dass Menschen sie erkennen, wir haben das getestet. Mit Logo sowieso, aber auch wenn man ihnen etwas ohne das Logo zeigt. Schrift und Farbe sind enorm wichtig für eine Marke. Man kann Marken durchsetzen über eine Schrift.

typo_aufmacherGelingt das den Parteien?

Viel zu wenig, wie ich finde. In der Politik setzt man ja sehr auf das Plakative. Wenn man eine Schrift möglichst groß machen will, muss sie schmal sein, damit viel reinpasst, wir haben im Deutschen lange Wörter. Außerdem denken die Entscheider in den Parteien immer, es muss eine serifenlose Schrift sein, mit klaren, glatten Konturen, ohne  Häkchen, damit es modern wirkt. So ein Quatsch. Serifenlose Schriften gibt es seit 200 Jahren. Das Gegenteil davon wäre beispielsweise die Bodoni, damit wird das Feine, Klassizistische zitiert. Die Botschaft ist Vertrauen und Sorgfalt. Die Banken nutzen das gern – sieht vornehm aus. Wir wissen zwar, dass bei denen Anmutung und Realität nicht übereinstimmt, aber große Unternehmen arbeiten mit Typografie viel konsequenter als die Politik.

Kann man Parteien wie ein Unternehmen designen?

Klar, alles andere ist nicht professionell. Nur das Produkt ist schwieriger, es hat ja im besten Fall Inhalte, die man vermitteln will. Und zwar viele. Es geht nicht nur um eine zentrale Info: Huhu, wir saugen oder wischen besser. Inhalte sind kompliziert. Wenn man die allein auf werbliche Formen reduziert, reduziert man sich.

Und wie vermittelt man Inhalte sinnvoll?

Es gibt Grunderwartungen. Bücher haben wir im Kopf, Internet, Zeitung – deren Schriftbilder prägen unsere Wahrnehmung. Wenn man davon zu stark abweicht, führt das zur Ablehnung. In Deutschland würde zum Beispiel niemand mit der Frakturschrift antreten. Da gerät man sofort unter Verdacht, weil die Nazis sie benutzt haben. Sie haben sie nicht erfunden, sie haben sie auch während der Hitlerzeit wieder abgeschafft, trotzdem ist die Diskussion um diese Schrift ein Beweis, dass eine Schrift wahrgenommen wird.
Genauso ist es mit
Büchern. Wir sind es gewohnt, da auf bestimmte Schriften zu treffen. Kein Mensch würde ein Buch aus Helvetica lesen. Dabei ist sie nicht schlechter lesbar als manch andere. Aber es schwingt was mit, bei der Helvetica das Profane, und deshalb macht man sich auch die Mühe, passende Schriften zu suchen oder eben auch neue Schriften zu entwerfen.

Die Helvetica ist, seit es Computer gibt, die meistverwendete Schrift.

Die ist bei ihrer letzten großen Überarbeitung 1983 auf großen Computerbildschirmen entstanden. Leider habe ich daran damals mitgewirkt. Die Helvetica ist die kühle Version der Akzidenz Grotesk, unserer traditionellen Druckschrift. Da wurde alles weggenommen, was eigen war, gestört hat. Deshalb ist sie sehr glatt. Manche sagen, perfekt. Aber sie hat zwei Nachteile. Sie ist unheimlich langweilig, für lange Texte nicht geeignet, es gibt keinen Kontrast, keinen Rhythmus. Das ist, als spiele man klassische Musik mit dem  Synthesizer. Man erkennt die Melodie, aber der Klang ist langweilig.
Und Arial, auch sehr verbreitet, ist ein Klon davon. Ein bisschen lieblos gemacht und in der Wirkung genau so öde. Die wird genommen, weil sie im Computermenü der angebotenen Schriften ganz oben steht. Würde sie Zarial heißen, hätte sie kein Mensch genommen. So aber ist es, als ob immer die gleiche Musik läuft. Zum Einschlafen oder Davonrennen.

Haben Parteien Sie schon mal um Rat gebeten?

1990 habe ich den Bundestagswahlkampf von Bündnis 90 und den Grünen mitgestaltet. War eine
interessante Erfahrung. Da wollen dann so viele mitreden, die keine Ahnung haben, das ist nichts für mich. Vor ein paar Jahren waren auch mal die Linken da, damals hießen sie, glaube ich, noch PDS, um sich beraten zu lassen. Ich habe denen gesagt, wie könnt ihr nur die Hausschrift von Mercedes Benz verwenden! Die Corporate A-S-E von Weidemann ist zweifellos eine tolle Schrift, aber man nutzt die doch nicht, das ist doch sozusagen der Klassenfeind. Und die Krönung: Auch die FDP nutzt sie. Na ja, das ist ja schon fast wieder ironisch. Für Freiheit und Sozialismus mit der Mercedes-Benz-Schrift zu kämpfen.

Aber Mercedes ist doch mit der Serifenvariante unterwegs.

Ja, die beiden Parteien nutzen fast nur die serifenlose, aber es ist doch trotzdem die gleiche Schriftfamilie. Vielleicht ist es auch nicht so schlimm. Die CSU nutzt ja auch die E.ON-Hausschrift. Finde ich genauso ungeschickt. Können die dussligen Grafiker nicht mal etwas weiter im Schriftmusterbuch suchen und eine nehmen, die nicht schon so verbraucht ist?

typo_wimmelbildWie gehen Sie vor, wenn Sie für jemanden eine Schrift suchen oder entwerfen?

Wenn zu uns jemand kommt und nicht gleich was Eigenes, Neues will, beginnt die Recherche. Es muss was Serifenloses dabei sein, für richtig knackige Überschriften, es muss einen Serifen-Schnitt geben für den Fließtext, er braucht etwas Kursives für ergänzende Informationen. Man braucht erfahrungsgemäß mindestens vier, fünf Schnitte, was Großes und was Kleines, für lange und für kurze Texte. Und es muss in mehreren Sprachen funktionieren, zum Beispiel Türkisch, aber auch mit Kyrillisch und Griechisch – das sind ja andere Buchstabensysteme. Dann guckt man sich an, was einem gefällt, und macht die Gegenprobe. Wo gibt es die schon im Einsatz? Die Mühe muss man sich schon mal machen. Sonst ist es immer die gleiche Margarine aufs Brot.

Was raten Sie Menschen, die sich keinen eigenen Haus-Typografen leisten können?

Mein Gott, es war nie so leicht wie heute. Einfach mal einen Text im Computer mit verschiedenen Schriften ausprobieren. Dann sehe ich meine Gedanken in vielen verschiedenen Varianten, und dann wird mir schon etwas gefallen. Dazu kommen pragmatische Kriterien: Was muss die Schrift leisten, welche Textlängen sollen dargestellt werden, welche Anmutung will ich erzeugen, wie viele Schnitte brauche ich, solche Sachen sind wichtig.
Niemand würde ein Foto aussuchen, das nur schön ist, Schauplatz, Akteure, Stimmung auf dem Foto möchten ja auch passen. Typografie hat kein hohes Ansehen, leider.

Gilt das auch für die beiden großen Parteien? Es heißt ja ständig, sie werden sich politisch immer ähnlicher, sind verwechselbar. Ist das auch bei der Typografie so?

Wahnsinnig weit weg sind die nicht voneinander, die SPD nutzt die Thesis, die CDU vorwiegend die Kievit. Beide von Holländern entwickelt, die haben übrigens beide mal bei mir gearbeitet. Mike Abbink ist Amerikaner mit holländischen Eltern, Lucas de Groot ein Holländer, der in Berlin wohnt.

Zufall – oder hat man bewusst Experten beauftragt, die von außen auf Deutschland schauen und dadurch Abstand haben?

Kann gut sein. Die Holländer haben großartige Traditionen, was Typografie angeht. Ihr Zugang zur Schrift ist anders als bei uns, die lernen anders schreiben als wir, die haben auch eine andere Handschrift. Ich finde, dass sowohl Thesis als auch Kievit etwas sehr Sachliches haben, sehr protestantisch wirken. Deutsche und Holländer verbindet da der gleiche Geist, das Leben ist zum Arbeiten da, nicht, um Spaß zu haben. SPD und CDU scheinen sich in dieser Botschaft zu treffen.

Parteien-Design .
Erik Spiekermanns Einzelkritik:

CDU

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogo: Das Rot des Logos verschwand früher in ganz viel Blau. 2008 haben sie das Orange dazugenommen. Sehr vernünftig, das bringt Schwung rein. Das Blau war sehr kalt.

Schrift: Für den Wahlkampf haben sie die Skopex Gothic von Andrea Tinnes dazugenommen, die kommt aus dem Schriften-Verlag von Ole Schäfer. Der ist ja schon bei den Grünen gut mit dabei. Die Skopex ist zumindest markanter als die Kievit. Sie haben wohl gemerkt, dass man mit einer serifenlosen Schrift allein nicht alles so hinbekommt, dass es immer gleich gut lesbar ist; vom 120-Seiten-Programm bis zum Plakat. Vielleicht realisieren die Parteien langsam, dass man Wahlkampf nicht nur mit Werbeagenturen machen kann, sondern auch mit Typografen. Werber belächeln unsereinen gern als altmodische Handwerker. Am Ende sieht bei denen dann alles aus wie mit der Backmischung gemacht.

Gestaltung: In ihren Broschüren machen sie viel mit Großbuchstaben in den Überschriften, oft lange Zeilen, das liest sich doch nicht. Okay, die Flyer hier – »Verpassen Sie der CDU Ihre Handschrift« –, wenn es die echten Unterschriften wären, würde mir das gefallen. Aber jeder Grafiker weiß: Es gibt nichts Schlimmeres, als eine spontane Zeile zu schreiben. Das dauert dann drei Tage. Und der Bogen unter der Handschrift ist pseudodynamisch, den hat doch jede Zahnpastawerbung. Mir gefällt auch diese Dopplung nicht: »Handschrift verpassen«, und dann sehe ich Handschrift. Man soll Ideen nicht erklären.

SPD

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogo: Das ist noch immer die gute alte Futura. Sehr plakativ und handfest. Die kommt aus den 20er Jahren, was ja auch irgendwie passt, die SPD ist nun mal die älteste Partei.

Schrift: Die Thesis nutzen zum Bei spiel auch ARD, Taz, die Supermarktkette »Plus«. Ist eine gute Schrift, absolut perfekt, ohne Zierrat. Sehr praktisch, aber dadurch zu kalt. Für lange Texte braucht man was Wärmeres. Ob das jetzt Serifen sind oder etwas unregelmäßigere Formen, auf jeden Fall nicht so glatt. Die Kunst ist, Emotion drinzulassen. Das bieten die klassischen Buchschriften.

Gestaltung: Erstaunlich ist diese Kombination aus Lila und Rot, wie sie das zusammenbringen. SPD ist natürlich rot, klar. Aber immer nur rot, da ist Farbe schnell nur noch Hintergrund. Wie bei der »Linken«. Dass man hier das Rot auf das Lila stellt, ist schon ziemlich raffiniert, dadurch wird das Rot deutlich aufgewertet. Gefällt mir. Purpur – eine ungewöhnliche Farbe, eine weibliche, sicher nicht ganz unabsichtlich. Ist wie das Orange der CDU. Die wollen jetzt alle den Frauen hinterher, hoffentlich merken das die Frauen.

Die Linke
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Logo:  Sie haben das beste Logo. Der Name ist ausgeschrieben, man muss nicht raten, was eine Abkürzung bedeutet. Das Fähnchen als i-Punkt ist lächerlich, aber ansonsten wirklich gut. Bei den Grünen ist es ähnlich, aber da musste ja bisher immer noch Bündnis 90 / Die Grünen mit rein, da merkte man sofort: Ach ja, eine komplizierte Partei.

Schrift: Da habe ich im Interview schon drüber gesprochen. Die Mercedes-Schrift – wie unpassend. Auch wenn es hier die Sans ist, die serifenlose.

Gestaltung: Immerhin, die können gute alte Arbeiterpropaganda zitieren, als man noch große Plakate machte. Das ist dieselbe Art, wie wir es auch aus der BILD-Zeitung kennen. Große, schmal laufende Überschriften. Das funktioniert, kann man nicht anders sagen. Die Linke hat den einfachsten und klarsten Auftritt, finde ich. Ist banal, aber eindeutig.

Bündnis 90 /Die Grünen

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogo: In der Kampagne wird nur noch die Sonnenblume verwendet, gut so. Diese lange Zeile Bündnis 90 / Die Grünen war immer ein umständlicher Kompromiss. Ich würde mich an deren Stelle einfach grün nennen. Das Adjektiv. Man wählt ja grün. Genauso wie Die Linke sich einfach links nennen könnte.

Schrift: Früher hatten sie die Syntax, dann eine Weile die Fago von Ole Schäfer. Eine etwas steifere Version meiner Meta, 1994 etwa erschienen. Ist konsensfähig und trotzdem recht knackig, die passt zu den Grünen. Jetzt nutzen sie die Zine für Wahlkampfmaterialien. Die ist auch von Schäfer, auf Basis einer Headlineschrift, die wir gemeinsam Anfang der 90er mal für die »Leipziger Volkszeitung« gemacht hatten.
Gott sei Dank sind sie weg von so Müslikram, eine Weile haben sie das probiert, so krummes Zeug, Schriften, die man noch sieht, wenn man mal in den Bioladen geht.

Gestaltung: Sie ist ganz abwechslungsreich. Die Themen kommen rüber, Energiewende, Integration, das sind schon ein paar andere Akzente als bei den großen Parteien.

AfD

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogo: AfD. Was ist denn das für eine kryptische Abkürzung, als neue Partei würde ich doch heute immer  darauf achten, dass ich einen verständlichen Namen habe. Und dann dieser rote Pfeil, schrecklich. Ein Potenzanzeiger. Peinlich, so eine Phallusvariante, wer soll damit denn erreicht wer den?

Schrift: Immerhin, sie nehmen die Futura statt Helvetica. Futura hatten alle mal, die FDP hatte sie lange, die SPD auch. Na ja, die »Alternative für Deutschland« will ja zurück zur D-Mark-Zeit, da passt die Schrift.

Gestaltung: In gleichen Mengen Blau und Rot als Hintergrund zu verwenden, wäre fatal. Eine muss  dominieren, das haben sie ganz gut hingekriegt. Und immerhin nehmen sie Weiß als Schrift, das hellt auf. Es gibt Experten, die drucken auch Schwarz auf Blau. Wer will so etwas Düsteres lesen? Aber richtig gestaltet mit Idee ist das auch nicht. Hat sicher ein Lehrer gemacht, nachmittags, als er ein bisschen Zeit hatte am Bildschirm.

FDP

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogo: Die Punkte sind ja schon seit 2001 weg, als Westerwelle seine 18-Prozent-Kampagne ausrief. Im Internetzeitalter galten sie als unpraktisch. Die Punkte gab’s ab 1968, die ersten Zeichen damals, dass sich etwas änderte, wenig später folgte der Koalitionswechsel zur SPD. Ich fand die Punkte kommunikationstechnisch nicht schlecht, die FDP wurde dann Jahre lang die Pünktchenpartei genannt. Finde ich immer noch besser als diese abstrakte Abkürzung.

Schrift: Die Corporate S aus der Mercedes-Schriftenreihe. Wie einfallslos. Es gibt etwa 200 000 Schriften. Wenn man davon den Mist wegschmeißt, gibt es immer noch 20 000 Schriften, mit denen man arbeiten könnte. Selbst wenn es nur 2000 gäbe, warum muss man ausgerechnet die nehmen, die schon so prominent besetzt sind.

Gestaltung: Das Gelb ist wolkig geworden, das macht ein bisschen mehr Tiefe, heißt wohl, sie wollen nicht mehr so glatt wirken. Aber ob das reicht? Wenn »Nur mit uns« dabeisteht, das will man doch nicht, das hat so etwas Streberhaftes. Ansonsten: ihre Broschüren – verheerend. Alle Gestaltungsfehler, die man sich denken kann. Oben viel zu breit laufende Zeilen, unten viel zu großer Zeilenabstand bei zu kleiner Schrift, löchriger Blocksatz – ach nee, können die sich keine richtigen Gestalter leisten? Oh je, und wie lackiert ist das Papier! Fasst sich beinah an wie ein Kondom, na ja, das richtet sich alles selbst.

Piratenpartei

OLYMPUS DIGITAL CAMERALogo: Nett für selbst gemacht. Die Wiedererkennbarkeit ist da, schon durch das Orange.

Schrift: Als Textschrift verwenden sie die Myriad. Auf der Website ist es Beba Neue, natürlich eine Schrift, die es frei als Download gibt. Die Piraten gehen eben davon aus, dass man so was alles gratis kriegt. Muss ja keiner leben davon – sie selbst haben schöne Beamtenjobs oder arbeiten im öffentlichen Dienst.

Gestaltung: Man sieht den Sachen an, dass sie als Internet-Partei mit bedrucktemPapier fremdeln. Es gibt auch gerade so eine Mode, man sieht sie sogar bei Zeitschriften, da sollen die Sachen ungestaltet aussehen. Ha, als wenn es das gäbe! Es hat ja doch jemand gemacht. Schon Paul Watzlawicks erster Grundsatz der Kommunikation heißt ja: Man kann nicht nicht kommunizieren. Die Verweigerer setzen alles aus Times und Helvetica, Allerweltsschriften, es soll nur so nebenbei gemacht aussehen. Soll aussehen, als hätte es nüscht gekostet. Da kann ich nur sagen: Gute Gestaltung kostet nicht mehr als schlechte Gestaltung; schlechte kostet sogar mehr, weil sie nicht funktioniert. Sie kostet Interesse und Sympathie.

Die Partei

die_parteiLogo: Das ist ein ironisches Zitat des Parteischriftzugs insgesamt. Schattenschrift macht man ja heute gar nicht mehr. Aber es fällt wenigstens auf und ist schon wieder ulkig.

Schrift: Alles in der schmalen Version der Helvetica. Na, die Partei-Botschaft ist klar: Wir sind konsequent daneben.

Gestaltung: Welch schön blöde Schlagzeilen die Plakate haben. Das ist wenigstens mal komisch. Aber was würden die machen, wenn sie im Parlament sitzen – sich ratlos an gucken? Die ganze Gestaltung sagt: Wir nehmen uns selbst nicht ernst. Man merkt denen an, sie haben Spaß bei dem, was sie machen. Das kommt gut rüber.


Erik Spiekermann, 66, wuchs in Berlin auf. Er  wurde Drucker und schnell zum »Typomaniac«. Seit langem arbeitet er als Gestalter und entwirft Schriften, seine erfolgreichsten heißen FF Meta, FF Unit, FF Info und ITC Officina. Zu seinen Kunden zählten Volkswagen und Audi, bis heute prägt er mit seiner Firma EdenSpiekermann das visuelle Erscheinungsbild von Bosch, ZDF und der Deutschen Bahn. Für die Berliner Verkehrsbetriebe und den Düsseldorfer Flughafen entwickelte er die Fahrgastinformation.
2011 erhielt Erik Spiekermann den Designpreis der Bundesrepublik
Deutschland für sein Lebenswerk, im MoMA in New York gehören einige seiner Schriftfamilien zur Architektur- und Design-Collection. Sein geballtes Wissen über Schrift und Typografie hat er in zahlreichen Büchern verewigt, zudem ist er Honorarprofessor an der Uni Bremen.

Spiekermanns Lieblingsbuchstabe ist übrigens das kleine »a«. – »Weil es die schönste Figur ist, weil es sehr menschlich aussieht, nach vorne schreitend, nach links blickt. Ich sehe da unheimlich viel Leben drin.«
http://www.edenspiekermann.com ©Foto Erik Spiekermann: privat

Dieser Text erschien erstmals in DAS MAGAZIN 9/2013.

 

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