Was man als kleiner Verlag so alles mit dem Buchhandel erlebt

Die Rollenverteilung im Buchhandel scheint klar: Amazon ist böse, »der kleine Buchladen um die Ecke« hingegen ein Segen. Wirklich? Wir haben mit unseren Büchern andere Erfahrungen gemacht

Text: Manuela Thieme, Foto: Sashkin/Shutterstock

Über Amazon wird viel geschimpft, der Online-Händler gilt als Dämon schlechthin. Als kleiner Verlag können wir nach über zehn Jahren Vertragspraxis mit Amazon sagen: Uns ergeht es da nicht schlechter als im übrigen Buchhandel. Ob bei Amazon oder den großen Zwischenhändlern des stationären Buchhandels wie KNV, Libri und Umbreit – immer kassieren sie 50 Prozent des Buchpreises. Unsere Bücher im Perfect-Paperback-Format kosten meist 9.90 Euro. Bleiben 4.95 Euro für Autor, Verlag, Marketing, Versand, Druck.

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Buchhändler verdienen mehr an einem Exemplar als der Autor. Ist das gerecht?

Wir haben als Seitenstraßen Verlag ein paar gute Bücher verlegt, kurze satirische Geschichten über wackere Ehemänner, Liebhaber, Pärchenbetrieb, Lotterbetten, über eigensinnige Weltenbummler, über Großstädter, die aufs Land zogen und dort nicht nur ihr grünes Wunder erlebten. Insgesamt sind es bisher nur elf Titel, unser Hauptgeschäft war lange die Herausgabe einer Zeitschrift. Immerhin: Summasummarum wurden die Bücher über 120 000 mal verkauft, für einige gibt es Taschenbuchlizenzen, zwei wurden Vorlage für ein Theaterstück. Unsere Autoren bekommen 10 bis 12 Prozent des Buchpreises als Honorar. Das klingt wenig, bei großen Verlagen wie Rowohlt, Hanser, Kiwi sind es keinesfalls mehr, sie machen nicht selten Hardcover-Verträge, in denen 8 Prozent festgeschrieben werden.

Moralbonus der Buchhändler

Wir kümmern uns nun seit einem Jahr verstärkt um unser Buchprogramm, das bis dahin ein Nebengeschäft war. Und unsere Analysen der Branche sind fatal: Der klassische Buchhandel blockiert sich selbst. Amazon hat all unsere Bücher immer aufgenommen, angeboten, auf Lager bestellt, damit sie jederzeit lieferbar sind. Die Großeinkäufer des stationären Buchhandels (KNV, Libri, Umbreit) sind da viel träger, nachlässiger. Warum? Weil die Buchhändler nicht mehr von ihren Zulieferern verlangen.
Buchhändler, vor allem selbstständige, unabhängige (also die, die nicht zu großen Ketten gehören) haben in der Öffentlichkeit einen erstaunlichen moralischen Bonus. Sie gelten als edle Ritter der Kultur, es heißt, sie würden selbstlos, mutig, kundig ihre kleinen Bastionen gegen die vermeintlichen Zumutungen der Zeit namens Hektik, Unwissenheit, Effekthascherei verteidigen. Klar, diese Lichtgestalten gibt es zweifellos, wir kennen auch einige.

Wie ironiefähig sind Buchhändler? Das Kampagnenmotto des Börsenvereins wird oft allzu wörtlich genommen

Oft erleben wir als Verlag aber eben auch Buchhändler, die nur auf Nummer sicher gehen. Sie füllen ihre Regale vor allem mit den so genannten Spitzentiteln der Großverlage und dem, was man echte oder moderne Klassiker nennt. Angebote aus Kleinverlagen? »Wenn jemand bestellt, melden wir uns.« Ja, das machen sie dann. Aber die »Sichtbarkeit« eines Buches als entscheidender Treibstoff wird nur selten gewährt. 35 Prozent des Verkaufspreises haben Buchhändler immer für sich. 35 Prozent! Wie gesagt: Autoren sind mit 8-12 Prozent dabei. Wofür die 35 Prozent? Sie tun oft nichts für das Buch bis auf den einen Anruf oder die eine Mail, um zu hinterlassen: Hier hat ein Leser verbindlich bestellt.

Völlig Relativ anstrengungslos bekommen Buchhändler ihre Provision. Zumindest in unserem Fall – und wir haben von anderen kleinen Verlagen nicht das Gegenteil gehört.

Welches Risiko haben Buchhändler? Sie agieren in einem weithin geschützten Terrain. Es gibt die Buchpreisbindung. Miete, Personal, Stromkosten, vielleicht die Ratenzahlung für  Regale und Computerzeugs müssen finanziert werden – aber das sind letztlich Mindestposten jedes Unternehmens. Teure Maschinen? Nicht nötig. Aufwendige Materialwirtschaft? Nun ja, Einpackpapier und -tüten. Einkaufsökonomie? Ware, die sie nicht verkaufen, können sie in der Regel zurückschicken. Jedes Lebensmittel- oder Klamottengeschäft hat deutlich mehr Risiko. Was da geordert wird, muss bezahlt werden, da ist nix mit Remissionsrecht. Und die Halbwertzeit dieser Angebote ist auch noch sehr viel geringer als die von Büchern. – Halten wir fest: Viele Buchhändler machen aus den Privilegien ihrer Branche zu wenig.

Ein paar konkrete Erlebnisse

Anruf einer Buchhändlerin aus Oldenburger Land: Einer ihrer Kunden will möglichst schnell drei Bücher aus unserem Programm, über die Großhändler dauere die Lieferung zu lange. Wir schlagen ihr vor, wenigstens fünf zu nehmen, denn wenn drei davon schon verkauft sind, ist es nicht vermessen zu behaupten, dass auch zwei weitere ihre Leser finden. Zumal wir das Porto bezahlen und drei Bücher im Versand so viel kosten wie fünf (derzeit 1.65 Euro). Sie lässt sich nicht darauf ein und kommt mit dem Standardargument: »Ich habe doch keinen Platz«.
Seither sind elf Wochen vergangen: Sie hat die drei Bücher bisher nicht bezahlt. Auch das würden wir dem Geheule über Amazon und die große Ketten entgegen halten: Sie kaufen nicht nur umsichtiger auf Vorrat, sie rechnen immer verlässlich ab.

Beispiel zwei: Eine Buchhandlung in Thüringen hat einen unserer Autoren zu Gast und bestellt vorher dessen Neuerscheinung bei uns. Zehn Exemplare. Sie gehen an dem Abend  rasant weg, der Autor ist ein Live-Erlebnis, man wäre locker mehr losgeworden, erzählt der Buchhändler am nächsten Tag am Telefon. Wir bieten Nachschub an, die Gäste der Lesung werden sicher schwärmen und andere aufmerksam machen. »Ach nein, ist doch schön, dass wir da einen Strich drunter machen können.«

Nächstes Beispiel: Wieder eine Lesung, diesmal in einem Theater in Potsdam. Der Buchhändler, der den Büchertisch machen soll, fragt, ob nicht der Autor die Bücher mitbringen könne, dann müsse er nicht extra eine Kiste schleppen. Was, bitte sehr, ist eigentlich seine Leistung? Die Anwesenheit? Er hat volles Remissionsrecht, die einzige Herausforderung bestände darin, den Paketschein für die Rücklieferung zu bezahlen. Noch mal: 35 Prozent pro Exemplar bekommen Buchhändler, bei Lesungen oft sogar 40, weil  sie nicht immer vor Ort stattfinden. 

Und noch ein Beispiel: Direkter Besuch in einer Berliner Buchhandlung.
»Sagt Ihnen der Autor Stefan Schwarz etwas?«

»Ja natürlich, danach wird oft gefragt.«
»Wie schön. Dann ist es aber überraschend, dass es hier kein einziges seiner Bücher gibt.« 
»Den Kunden reicht es, wenn wir bestellen und sie es am nächsten Tag abholen können.«
Dass es für den Autor und den Verlag wichtig wäre, im Laden angeboten zu werden, wird spitz lächelnd abgelehnt: »Er passt nicht ganz in unser Programm.«
Dünkel kann man sich leisten, wenn sich damit tatsächlich das Konto füllen lässt. Allerdings hört man von  »ambitionierten« Buchhandlungen oft, dass es schiefgeht, auf vermeintlich besonders »Erlesenes« zu setzen und den allgemeinen Publikumsgeschmack zu ignorieren.

Fazit (und leider keine Neuigkeit): Die meisten kleinen Buchhändler haben keineswegs erkennbar mehr Verständnis für kleine Verlage. Sie wettern zwar herzlich gern gegen Konzerne und Monopolisten, aber wenn man mit ihnen zu tun hat, ist ihr geschäftlicher Egoismus oft keinen Deut geringer als bei den Großunternehmen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Amazon ist wahrlich kein Wohltäter, aber sachlich betrachtet, können wir als Kleinverlag froh sein, dass das Unternehmen die Buchbranche sehr viel durchlässiger gemacht hat.


PS am 22.2. 2015: Wir wurden von verschiedenen Leser_innen gefragt, welche Reaktionen es auf diesen Text gab und haben das inzwischen aufgeschrieben.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung (im Februar 2016) haben wir die Folgen dieses Textes hier zusammengefasst.

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94 Gedanken zu “Was man als kleiner Verlag so alles mit dem Buchhandel erlebt

  1. Als Autor bei einem relativ kleinen Verlag habe ich ähnliche Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Mein Herz schlägt für den stationären Buchhandel, aber ohne Amazon würden meine Verkaufszahlen sicher wesentlich geringer sein. Ich habe tolle Ausnahmen erlebt, aber in der Regel gehen Buchhändler kein Risiko ein und bieten nur die gleiche Massenware an, die auch bei Amazon Bestseller sind. Das hatte die Buchhandelskette Borders hier in den USA auch gemacht. Da hat sich der Käufer dann gefragt, wozu er noch in den Buchladen gehen soll und Borders ist pleite gegangen. Das gleiche Risiko gehen auch die deutschen Buchhändler ein, aber wenn man das mal sagt, wird man ignoriert. Die deutschen Buchhändler (und -käufer) können sich glücklich schätzen, dass es die Buchpreisbindung gibt.

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  2. Schön das hier jede seine Meinungen kund tut und jeder ein bisschen Hörensagen und Halbwissen und Wissen mit einbringt.
    Der Markt ist bunt, alle beteiligten haben Ihre Probleme und natürlich gibt es immer schwarze Schafe und die einen machen gute Erfahrungen, die anderen schlechte. Nur ohne ein Gesamtbild zu kennen Populär politisch zu argumentieren ist schon Stammtisch Niveau.
    Leider ist dies ein Markt, Angebot wird durch die Nachfrage gerechtfertigt.
    Das immer mehr Inhaber geführte Buchhandlungen aus den Städten verschwinden und das rein zufällig aus nächster Nähe zu Filialisten die sich da hingepflanzt haben um einen Filialisten Krieg der Marke Aldi sitzt neben LIDL, und McDonalds mag gern den Burger King neben sich haben, zu führen ist in den letzten Jahren immer häufiger anzusehen.
    Das nachdem alle kleine Buchhandlungen drum herum ausgeblutet worden, öfters einer oder sogar beide der Filialisten den Standort verlassen sei auch nur einmal am Rande erwähnt.
    Nicht alle Verlage geben 35 % Rabatt, im Gegenteil das ist in der heutigen Zeit sogar ein sehr guter. Nur schade das viele Buchhandlungen, nur um alleine die Fixkosten zu decken mindestens solch einen brauchen.
    Was viele aber auch nicht bedenken ist das oft die Beschaffungskosten bei den Kundenbestellungen, die ja laut Buchpreisbindung nicht weiter gegeben werden dürfen, höher sind als die Handelsspanne, bedenkt auch keiner. Ähnlich sieht es bei der Argumentation des gewährten Remissionsrecht aus.
    Von Verlagen, die hinter vorgehaltener Hand sprechen, das sowohl Barsortiment als auch große Onlinehändler die Konditionenschraube drehen und eigentlich Dinge verlangen die unwiedrig sind (erwähnt sei zum Beispiel der Fall eines nicht näher genannten Onlinehändler der zwar Titel eines Verlages führt, diese aber nicht ausliefert. Im Gegenteil offiziell auf der Lieferbarkeit sogar meldet das er zur Zeit nicht lieferbar sei, aber weitere Exemplare schon bestellt seien. Und dies solange bis der Verlag dann einknickt) liest man in der Fachpresse auch immer wieder.
    Oder der tägliche Kampf des Buchhändlers, dem Kunden zu erklären das es eine Buchpreisbindung gibt, warum Amazon denn einen Titel führt, aber man selbst ihn nicht besorgen kann (führt er nicht. Es sind Datenfragmente, von fehlgeschlagenen Inventarisieren des Verlags Angebotes, oder der Privat Verkauf von Antiquariat im Marketplace.) Das sichten, prüfen und entscheiden welche Titel in die Buchhandlung aufgenommen wird (geht nicht ohne Kundschaft zu kennen und Bücher zu lesen, viele Bücher zu lesen, weit in die Freizeit hinein, Büchertische und andere Veranstaltungen die alle in der „Freizeit“ statt finden mal nicht mit aufgezählt).
    Ich könnte noch stundenlang weitere Argumente vorbringen die Aufzeigen das ALLE beteiligten in mancherlei Hinsicht sich an die eigene Nase fassen sollten. Das alle beteiligten manches falsch machen, aber dabei oft nicht das Gesamtbild und vor allem nicht über seinen Tellerrand geschaut wird. Oft hört man es nur jammern von allen Seiten, mal lauter, mal leiser.
    Dabei vergessen viele das wir in einer der schönsten, wenn nicht die schönste Branche arbeiten.
    Und das wir das ganze aus der Liebe zum Buch machen.
    Und ich denke da sind sich alle von uns einig, wegen des Geldes wird es das wohl nicht sein…

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    • Zitat: „Das nachdem alle kleine Buchhandlungen drum herum ausgeblutet worden, öfters einer oder sogar beide der Filialisten den Standort verlassen sei auch nur einmal am Rande erwähnt.
      Nicht alle Verlage geben 35 % Rabatt, im Gegenteil das ist in der heutigen Zeit sogar ein sehr guter. Nur schade das viele Buchhandlungen, nur um alleine die Fixkosten zu decken mindestens solch einen brauchen.“

      Das klingt mir – seien Sie mir nicht böse – schlicht so, als sei die betreffende Buchhandlung einfach nicht mehr rentabel. Das ist für den Inhaber und seine Angestellten traurig, aber es ist dann eben nun mal so. Auch Buchhandlungen haben keinen intrinsischen Wert, sondern nur den, den sie dem Kunden bieten können. Den Tante-Emma-Läden ging es seinerzeit nicht anders, als die Supermärkte aufkamen – und wer vermisst die kleinen Läden heute noch, nach anderthalb Generationen? Ich kenne absolut niemanden, nicht einmal meine Großeltern.

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    • @Dennis: Du kannst also stundenlang Argumente vorbringen. Schön. Aber uns anderen Kommentatoren wirfst Du mal eben „Hörensagen und Halbwissen“ und „Stammtisch Niveau“ vor. Wo mein Halbwissen herkommt, habe ich als Quelle angegeben – und das wurde Seitenstraßen Verlag mit seinen Zahlen kommentiert. Hast Du zu den Zahlen etwas zu sagen gehabt? Nein. Aber das in dieser Branche alle Beteiligten manches falsch machen, dass scheinst Du ganz genau zu wissen. Was hat also konkret der Seitenstraßen Verlag in seinen obigen Beispielen falsch? Hast Du dazu ein Argument gebracht? Nein.

      Dann erwähnst Du natürlich noch den Fall des „nicht näher genannten Onlinehändlers“ (also Amazon), über denn Du aus der Presse so gut informiert bist. Also: Was hat Amazon bei den Verhandlungen mit den Verlagen so anders gemacht, als es bspw. der Metro-Konzern, dessen Töchter und deren Einkäufer jedes Jahr mit uns Herstellern und Händlern machen? Tatsächlich hat Amazon die Verlagserzeugnisse nicht vollständig ausgelistet, sondern die Produktseiten samt Marktplatz-Angeboten weiter angezeigt. Da konnte sogar manch Buchhändler plötzlich wieder Titel dieser Verlage als Marktplatzhändler verkaufen. (Und auch die Verlage hätten über diese Hintertür – als Marktplatzhändler – ihre Bücher anbieten können.) Bei der Metro-Gruppe kann man dagegen sehr schnell mit seinen Produkten komplett aus den Regalen fliegen – und nach gescheiterten Verhandlungen außerdem noch für lange Zeit den Lieferantenstatus verlieren. Eine Hintertür gibt es da nicht.

      Ach ja, dann sind da ja noch diese Verlage, die hinter vorgehaltener Hand davon sprechen, welche unwidrigen Dinge von ihnen bei den Konditionsverhandlungen verlangt werden. Wärst Du dem Link zum Börsenblatt gefolgt, dann hättest Du gelesen, dass der Vertriebsleiter eines Verlages den Amazon-Einkäufern sogar über 50 Prozent Rabatt einräumen würde. Freiwillig! Schon 2008! Warum? Weil die Remissionsquote bei Amazon so unglaublich niedrig ist. Unter einem Prozent. Die Zahl hat der Seitenstraßen Verlag in seinem Kommentar auch bestätigt. Hätte man lesen können, bei unseren Kommentaren aus „Hörensagen und Halbwissen“.

      Und das man in der Buchbranche selbstverständlich nicht des Geldes wegen arbeitet … also das kannst Du ja bspw. mal den restlichen Mitarbeiter bei Weltbild erzählen. Die zittern grade um den Arbeitsplatz und das schmale Einkommen. Aber mit der Einstellung muss man sich zumindest keine Gedanken machen, wenn so oft die Beschaffungskosten höher sind, als es die Handelsspanne ist. Ach ja, bei welchem Verlag und welchen Titeln eigentlich genau?

      So … Schluss.

      (Halt … ich hab noch was: Mein Arbeitgeber verkauft über Amazon, aber wir haben noch nie „Datenfragmente“ als Angebot bei Amazon stehen gehabt – und ich habe auch noch nie solche Angebotsfragmente bei anderen Marktplatzhändlern gesehen. Könntest Du freundlicherweise mal einen Link zu einem „Datenfragment“ posten? Danke.)

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    • Und das wir das ganze aus der Liebe zum Buch machen.
      Und ich denke da sind sich alle von uns einig, wegen des Geldes wird es das wohl nicht sein…

      Diese Aussage stimmt aber nur bedingt. Zeig mir den Verlag nur aus Liebe zum Buch macht.
      Aber wer macht einen Laden auf als Freizeitbeschäftigung und aus Liebe zum Produkt?

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  3. Die beschriebene Haltung des Einzelhandels kann ich aus langen Jahren als Verleger nur bestätigen. Ursache ist das bequeme Kuschelkissen Buchpreisbindung, die den kreativen Wettbewerb verhindert und dem Sortimenter eine vermeintlich sichere Zukunft vorgaukelt.

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  4. Interessanter Artikel – besonders der Hinweise, dass Amazon trotz umsichtiger Bestellung alle Bücher auf Lager legt. Mich würde interessieren: Wie hoch ist die Remissionsquote? Ich frage danach, weil ich in letzter Zeit mehrmals einen Hinweis auf ein altes Interview im Börsenblatt gelesen habe. Schon vor 7 Jahren hat der Vertriebsleiter eines Verlages dort einige erstaunliche Zahlen ausgeplaudert: “Bei Amazon haben wir 0,5 Prozent Remissionen. Eine Buchhandlung mit einem Umsatz von einer Million Euro kommt häufig auf eine Quote von 60 bis 70 Prozent.” Könnt Ihr die 0,5 Prozent aus eurer Erfahrung bestätigen?

    (Ich bin auf diese Zitat zwar über Kommentaren bei t3n und Kassenzone gestolpert, aber die Originalquelle ist wohl http://www.boersenblatt.net/188910/ )

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    • Zu den erschreckenden Retourenzahlen stand letztes Jahr auch etwas in der FAS: „er klassische Buchhandel schickt rund 50 Prozent nichtverkaufter Bücher an die Verlage zurück; bei Amazon liegt die Quote angeblich bei 0,5 Prozent.“ Selbst wenn sich der Buchhandel beim Einkauf derart verbessern hate, ich finde die Zahl noch immer viel zu hoch. Welche Branche kann den damit leben, dass 50 Prozent der Ware nicht verkauft werden?

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    • Wir antworten gern, haben aber keine Zahlen mit Kommastelle: Remissionen von Amazon bleiben – wie Sie schreiben – weit unter ein Prozent. Im Prinzip schicken sie, wenn überhaupt, an uns nur beschädigte Ware zurück. Ein einziges Mal wurde ein Titel mit 50 Stück remittiert, von dem sie allerdings in den Jahren auch mehr als 10 000 Exemplare verkauft hatten.
      Die Remissionsquoten des stationären Buchhandels sind höher, betragen aber auch unter zehn Prozent. Das liegt vor allem daran, dass wir in Buchhandlungen selten „einfach so“ angeboten werden.

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  5. Hallo, danke für die spannenden Einsichten. Was mich brennend interessieren würde: wie wichtig sind die lokalen Buchläden im Vergleich zu Amazon und Co. überhaupt für kleine Verlage? Lohnt sich der Aufwand überhaupt? LG

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      • So, jetzt also ein paar Zahlen dazu: Amazon-Umsatz lag letztes Jahr bei uns bei ca. 55 Prozent, wird aber gerade weniger, da wir in den letzten drei, vier Monaten mit unserem neuen Buch (http://www.seitenstrassenverlag.de/neuerscheinung/) versucht haben, direkt an die Buchhandlungen heranzukommen. Es war nicht erfolglos – wir hatten im Blogbeitrag ja geschrieben, dass es wirklich auch muntere Partner gibt. Aber die Zahl der merkwürdigen Gespräche / Reaktionen war schon bedenklich (daher der Text :-))

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  6. Ich liebe meinen Buchhandel vor Ort, die individuelle Beratung, den persönlichen Austausch, die tollen Buchabende… und mein Schuhhändler hat mehr Provision nur dafür, das er mir Schuhe verkauft.
    Was soll das wettern gegen die Kleinen! Die Welt ist bunt, auch die der Buchläden.

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  7. Interessanter Artikel, aber mir klingt das größtenteils nach systemischen Ursachen. Selbstverständlich hat Amazon nicht die Platzprobleme einer Buchhandlung und praktisch keinerlei Risiko, auf irgendetwas sitzen zu bleiben.
    Was nicht heißen soll, dass Buchhändler edle Ritter sind, das sind die meisten sicher nicht. Aber die Ausnahmen haben es, wie ihr selbst schreibt, nicht einfach.

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  8. Ich halte das AMAZON-Bashing sowieso für hochgradig Lobby-gesteuert. Der Service bei Amazon ist einfach unerreicht, unglaublich schnelle Lieferung, unproblematische Rückgabe, Empfehlungen, engagierte Rezensionen anderer Käufer/innen – was will Mensch mehr? Die Arbeit in der Logistik dort, die gerne angeprangert wird, ist nicht etwa anders als in anderen Großlagern, zudem zahlt Amazon mehr als Mindestlohn. Vorwerfbar war höchstens mal das Verhalten in Sachen E-Book-Preis-Verhandlungen letztes Jahr, wobei andrerseits die E-Bookpreise für E-Ausgaben von Printbüchern hierzulande absurd hoch sind.

    Kurzum: Als Leserin ist mir AMAZON zigmal lieber als die oft verschlafenen, mangels Platz natürlich auch wenig bietenden kleinen Buchhandlungen. Wenn die es nicht schaffen, irgendwie von Events u.a. Nebengeschäften zu leben, wird es sie m.E. bald nicht mehr geben. Und ohne dass das viele vermissen.

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    • Lobby-Bashing? Welche Lobby? Ein Konzern, der durch massive Steuervermeidung sich jeden Wettbewerbs entzieht? Und den muss man noch loben? Und wurden die nicht schon zigmal bestreikt, wegen schlechter Arbeitsbedingungen? Aber das interessiert ja nicht. Wenn man über das Internet bestellt, sieht man das ja nicht. Etwas mehr Reflektion wäre wünschenswert. Amazon schädigt das Gemeinwohl!

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      • Lieber Joachim Yogi Stephan,

        danke für Ihre kritische Sicht der Dinge. Diese Diskussion gab es letztes Jahr schon mal mit allen denkbaren Details, als der Beitrag erschien (Steuervermeidung, Arbeitsbedingungen, Monopolstellung …). Insofern hier nur kurz der Hinweis auf unsere damaligen Kommentare & Veröffentlichungen.

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  9. Ach wie schön, ehrliche Worte von KollegInnen!
    Ich habe beim Lesen eures Artikels mehrfach geseufzt und genickt. Genau unsere Erfahrung (außer Amazon, die beliefern wir – noch – nicht). Manchmal kann man schon wütend werden bei dem, was man als Kleinverlag bei Buchhandlungen erlebt. Eigentlich bestellen Buchhandlungen nur größere Mengen auf Lager, wenn mehrere Kunden danach gefragt haben. Wie ihr schreibt: Bloß kein Risiko. Wie ihr auch schreibt: Es gibt natürlich auch andere.

    Ein Schwank aus dem Kleinverlagsleben: Buchhändler bestellt ein Buch, Einkaufspreis ist in dem Fall 5,47 €. Bezahlen tut er nicht. Bekommt eine Zahlungserinnerung. Egal. Ich rufe dort an; jaja, man kümmere sich drum. Nichts passiert. Ich rufe nochmal an; Oh, ja, das sollte schon längst raus sein. Nichts passiert. Für 5,47 Umsatz für uns schon viel zu aufwändig. (Das ist kein Einzelfall, wobei dieser hier bis heute nicht bezahlt hat)

    Mein Eindruck ist, dass wir uns als Kleinverlage ständig schämen sollten, dass wir Buchhandlungen nicht die gleichen Konditionen wie die Platzhirsche bieten können. Dabei sind wir diejenigen, die die Farbtupfer im Mainstream ausmachen. Wobei das bei den Büchern von unserem Verlag sogar wörtlich zu verstehen ist.

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    • Also ich kann aus dem Verlag die Bücher von Stefan Schwarz* empfehlen. „Die Kunst als Mann beachtet zu werden“ finde ich großartig und hab es schon ein paar Mal erfolgreich verschenkt. BTW: Es ist doch bald Indiebookday – da passt der Seitenstraßenverlag doch ganz gut rein. Oder?
      * Bin weder bekannt, verwandt noch verschwägert.

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  10. Dabei habt ihr noch Glück, wenn das Buch überhaupt bei den Barsortimentern gelistet wird. Nach Jahren der Selbständigkeit im Buchhandel wollte ich mir jetzt eine stationäre Buchhandlung suchen, die zumindest meine Bestellwünsche zuverlässig erfüllt. In der einzigen noch verbliebenen meines Arbeitsortes gilt aber: Was nicht bei KNV oder Libri gelistet ist, gibt’s aber da nicht. Ich glaube nicht mal an böse Absicht des Ladenpersonal, die wissen es anscheinend gar nicht, dass es das VLB gibt und dass es durchaus lieferbare Bücher gibt, die KNV und Libri nicht haben. Selbst wenn man mit ISBN und Erscheinungsjahr 2014 da hin geht; Kopfschütteln, das Buch „gibt’s nicht“. Wegen solcher Idioten wenigstens brauchen wir sicher keine Preisbindung.

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    • Danke, interessante Ergänzung. Ja, wir denken auch, dass es nicht »böse Absicht« ist, sondern viele in ihrer Routine aus alten Zeiten feststecken. Wobei das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) schon seit über vierzig Jahren existiert. Ob auch das – wie in Ihrem Beispiel – als neumodisches Zeugs gilt?

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      • Äh, der Leitung der Buchhandlung unterstelle ich schon „böse Absicht“ (also: lieber wird ein Buch weniger verkauft als eine ineffiziente Bestellung bearbeitet), und ich glaube, dass das Ladenpersonal einfach nicht gut ausgebildet ist (und eben auch keinerlei buchhändlerische Ambition hat).

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    • Ich betreibe seit zehn Jahren einen Kleinst-Verlag mit absoluten Nischen-Büchern. Die Buchhändler-Ausredet „Das Buch gibt’s nicht.“ kenne ich ebenso lange. Wenn ich davon erfahre, rufe ich die Buchhandlung an, erkläre, das es das Buch sehr wohl gibt, und dann kommt IMMER: „Ja, das wissen wir. Aber ein einzelnes Buch bei einem Kleinverlag bestellen, das können wir kaufmännisch nicht leisten. Ein extra Buchungsvorgang für nur ein Buch, dann noch die Bestellung abwickeln… um mit dem Kunden nicht endlos diskutieren zu müssen, sagen wir dann, dass es das Buch nicht gibt und empfehlen ein thematisch ähnliches.“
      Wenn ich dann sage, dass es unsere Bücher auch über Libri und Umbreit gibt, heißt’s „Das wussten wir nicht.“ und der Hörer wird aufgelegt.

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      • Ich selbt kenne das nicht. Aber ich gebe zu, das ich die Hoffnug und den Mut verloren habe mit dem stationären Buchhandel Geschäfte zu machen. Aber Autoren haben mir schon oft berichtet, das Bekannte von ihnen ein Buch kaufen wollten und man das gesagt beommt: Das Buch gibt es nicht.

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    • Wenn du einem Buchhändler unterstellst, dass er das VLB nicht kennt und ihn deshalb auch noch als Idioten titulierst, beantwortet sich für mich die Frage von selbst, wer eigentlich der Idiot ist. Viele Grüße

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