Was man als kleiner Verlag so alles mit dem Buchhandel erlebt

Die Rollenverteilung im Buchhandel scheint klar: Amazon ist böse, »der kleine Buchladen um die Ecke« hingegen ein Segen. Wirklich? Wir haben mit unseren Büchern andere Erfahrungen gemacht

Text: Manuela Thieme, Foto: Sashkin/Shutterstock

Über Amazon wird viel geschimpft, der Online-Händler gilt als Dämon schlechthin. Als kleiner Verlag können wir nach über zehn Jahren Vertragspraxis mit Amazon sagen: Uns ergeht es da nicht schlechter als im übrigen Buchhandel. Ob bei Amazon oder den großen Zwischenhändlern des stationären Buchhandels wie KNV, Libri und Umbreit – immer kassieren sie 50 Prozent des Buchpreises. Unsere Bücher im Perfect-Paperback-Format kosten meist 9.90 Euro. Bleiben 4.95 Euro für Autor, Verlag, Marketing, Versand, Druck.

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Buchhändler verdienen mehr an einem Exemplar als der Autor. Ist das gerecht?

Wir haben als Seitenstraßen Verlag ein paar gute Bücher verlegt, kurze satirische Geschichten über wackere Ehemänner, Liebhaber, Pärchenbetrieb, Lotterbetten, über eigensinnige Weltenbummler, über Großstädter, die aufs Land zogen und dort nicht nur ihr grünes Wunder erlebten. Insgesamt sind es bisher nur elf Titel, unser Hauptgeschäft war lange die Herausgabe einer Zeitschrift. Immerhin: Summasummarum wurden die Bücher über 120 000 mal verkauft, für einige gibt es Taschenbuchlizenzen, zwei wurden Vorlage für ein Theaterstück. Unsere Autoren bekommen 10 bis 12 Prozent des Buchpreises als Honorar. Das klingt wenig, bei großen Verlagen wie Rowohlt, Hanser, Kiwi sind es keinesfalls mehr, sie machen nicht selten Hardcover-Verträge, in denen 8 Prozent festgeschrieben werden.

Moralbonus der Buchhändler

Wir kümmern uns nun seit einem Jahr verstärkt um unser Buchprogramm, das bis dahin ein Nebengeschäft war. Und unsere Analysen der Branche sind fatal: Der klassische Buchhandel blockiert sich selbst. Amazon hat all unsere Bücher immer aufgenommen, angeboten, auf Lager bestellt, damit sie jederzeit lieferbar sind. Die Großeinkäufer des stationären Buchhandels (KNV, Libri, Umbreit) sind da viel träger, nachlässiger. Warum? Weil die Buchhändler nicht mehr von ihren Zulieferern verlangen.
Buchhändler, vor allem selbstständige, unabhängige (also die, die nicht zu großen Ketten gehören) haben in der Öffentlichkeit einen erstaunlichen moralischen Bonus. Sie gelten als edle Ritter der Kultur, es heißt, sie würden selbstlos, mutig, kundig ihre kleinen Bastionen gegen die vermeintlichen Zumutungen der Zeit namens Hektik, Unwissenheit, Effekthascherei verteidigen. Klar, diese Lichtgestalten gibt es zweifellos, wir kennen auch einige.

Wie ironiefähig sind Buchhändler? Das Kampagnenmotto des Börsenvereins wird oft allzu wörtlich genommen

Oft erleben wir als Verlag aber eben auch Buchhändler, die nur auf Nummer sicher gehen. Sie füllen ihre Regale vor allem mit den so genannten Spitzentiteln der Großverlage und dem, was man echte oder moderne Klassiker nennt. Angebote aus Kleinverlagen? »Wenn jemand bestellt, melden wir uns.« Ja, das machen sie dann. Aber die »Sichtbarkeit« eines Buches als entscheidender Treibstoff wird nur selten gewährt. 35 Prozent des Verkaufspreises haben Buchhändler immer für sich. 35 Prozent! Wie gesagt: Autoren sind mit 8-12 Prozent dabei. Wofür die 35 Prozent? Sie tun oft nichts für das Buch bis auf den einen Anruf oder die eine Mail, um zu hinterlassen: Hier hat ein Leser verbindlich bestellt.

Völlig Relativ anstrengungslos bekommen Buchhändler ihre Provision. Zumindest in unserem Fall – und wir haben von anderen kleinen Verlagen nicht das Gegenteil gehört.

Welches Risiko haben Buchhändler? Sie agieren in einem weithin geschützten Terrain. Es gibt die Buchpreisbindung. Miete, Personal, Stromkosten, vielleicht die Ratenzahlung für  Regale und Computerzeugs müssen finanziert werden – aber das sind letztlich Mindestposten jedes Unternehmens. Teure Maschinen? Nicht nötig. Aufwendige Materialwirtschaft? Nun ja, Einpackpapier und -tüten. Einkaufsökonomie? Ware, die sie nicht verkaufen, können sie in der Regel zurückschicken. Jedes Lebensmittel- oder Klamottengeschäft hat deutlich mehr Risiko. Was da geordert wird, muss bezahlt werden, da ist nix mit Remissionsrecht. Und die Halbwertzeit dieser Angebote ist auch noch sehr viel geringer als die von Büchern. – Halten wir fest: Viele Buchhändler machen aus den Privilegien ihrer Branche zu wenig.

Ein paar konkrete Erlebnisse

Anruf einer Buchhändlerin aus Oldenburger Land: Einer ihrer Kunden will möglichst schnell drei Bücher aus unserem Programm, über die Großhändler dauere die Lieferung zu lange. Wir schlagen ihr vor, wenigstens fünf zu nehmen, denn wenn drei davon schon verkauft sind, ist es nicht vermessen zu behaupten, dass auch zwei weitere ihre Leser finden. Zumal wir das Porto bezahlen und drei Bücher im Versand so viel kosten wie fünf (derzeit 1.65 Euro). Sie lässt sich nicht darauf ein und kommt mit dem Standardargument: »Ich habe doch keinen Platz«.
Seither sind elf Wochen vergangen: Sie hat die drei Bücher bisher nicht bezahlt. Auch das würden wir dem Geheule über Amazon und die große Ketten entgegen halten: Sie kaufen nicht nur umsichtiger auf Vorrat, sie rechnen immer verlässlich ab.

Beispiel zwei: Eine Buchhandlung in Thüringen hat einen unserer Autoren zu Gast und bestellt vorher dessen Neuerscheinung bei uns. Zehn Exemplare. Sie gehen an dem Abend  rasant weg, der Autor ist ein Live-Erlebnis, man wäre locker mehr losgeworden, erzählt der Buchhändler am nächsten Tag am Telefon. Wir bieten Nachschub an, die Gäste der Lesung werden sicher schwärmen und andere aufmerksam machen. »Ach nein, ist doch schön, dass wir da einen Strich drunter machen können.«

Nächstes Beispiel: Wieder eine Lesung, diesmal in einem Theater in Potsdam. Der Buchhändler, der den Büchertisch machen soll, fragt, ob nicht der Autor die Bücher mitbringen könne, dann müsse er nicht extra eine Kiste schleppen. Was, bitte sehr, ist eigentlich seine Leistung? Die Anwesenheit? Er hat volles Remissionsrecht, die einzige Herausforderung bestände darin, den Paketschein für die Rücklieferung zu bezahlen. Noch mal: 35 Prozent pro Exemplar bekommen Buchhändler, bei Lesungen oft sogar 40, weil  sie nicht immer vor Ort stattfinden. 

Und noch ein Beispiel: Direkter Besuch in einer Berliner Buchhandlung.
»Sagt Ihnen der Autor Stefan Schwarz etwas?«

»Ja natürlich, danach wird oft gefragt.«
»Wie schön. Dann ist es aber überraschend, dass es hier kein einziges seiner Bücher gibt.« 
»Den Kunden reicht es, wenn wir bestellen und sie es am nächsten Tag abholen können.«
Dass es für den Autor und den Verlag wichtig wäre, im Laden angeboten zu werden, wird spitz lächelnd abgelehnt: »Er passt nicht ganz in unser Programm.«
Dünkel kann man sich leisten, wenn sich damit tatsächlich das Konto füllen lässt. Allerdings hört man von  »ambitionierten« Buchhandlungen oft, dass es schiefgeht, auf vermeintlich besonders »Erlesenes« zu setzen und den allgemeinen Publikumsgeschmack zu ignorieren.

Fazit (und leider keine Neuigkeit): Die meisten kleinen Buchhändler haben keineswegs erkennbar mehr Verständnis für kleine Verlage. Sie wettern zwar herzlich gern gegen Konzerne und Monopolisten, aber wenn man mit ihnen zu tun hat, ist ihr geschäftlicher Egoismus oft keinen Deut geringer als bei den Großunternehmen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Amazon ist wahrlich kein Wohltäter, aber sachlich betrachtet, können wir als Kleinverlag froh sein, dass das Unternehmen die Buchbranche sehr viel durchlässiger gemacht hat.


PS am 22.2. 2015: Wir wurden von verschiedenen Leser_innen gefragt, welche Reaktionen es auf diesen Text gab und haben das inzwischen aufgeschrieben.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung (im Februar 2016) haben wir die Folgen dieses Textes hier zusammengefasst.

101 Gedanken zu “Was man als kleiner Verlag so alles mit dem Buchhandel erlebt

  1. Hallo liebes Seitenflügel-Team,
    ich habe euren Artikel mit großem Interesse gelesen und kann nur ihn nur bestätigen. Ich bin als Self-Publisher im Kinderbuchbereich unterwegs und habe bei meinen Heimatbuchhandlungen angefragt, ob sie ein oder zwei Exemplare meiner Bücher aufnehmen würden. Das Ergebnis ist, dass sich kein Buchhändler vor Ort bereit erklärt, ein Exemplar aufzunehmen und sie teilweise sehr arrogant agieren. Zum Glück sind die Schreibwarengeschäfte etwas offener, sodass ich dort vor Lesungen (die morgens in Grundschulen und ohne direkten Verkauf stattfinden) immer Exemplare vorbeibringen kann.
    Ich wünsche euch viel Erfolg und schicke liebe Grüße
    Pebby Art

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  2. Ich habe über Rivva ( http://rivva.de/257603440 ) und die Pingbacks zwischen den Kommentaren mal die Branchenreaktionen auf diesen Artikel verfolgt. Bspr. schreibt ein „Boersenbuchhändler“, was ihn an diesen nervenden Kleinverlagen ärgert: Excel. Hört sich wie ein Scherz an, schließlich arbeiten weltweit Firmen mit dieser oder anderen Tabellenkalkulationen. Tatsächlich schreibt er wortwörtlich: „Leute, wir haben anderes zu tun als irgendwelche zugemailten Excel-Tabellen zu öffnen.“ Gefolgt von der Empfehlung, doch mal 2 Wochen dem nächsten örtlichen Buchhändler über die Schulter zu schauen.

    Oha … dieser Buchhändler sollte sich doch mal bei uns anderen Händlern den Arbeitsalltag ansehen. Wir müssen jede Woche unsere Produktdatenbanken aktualisieren, weil wir neue Produkte aufnehmen oder auslisten, der Preis geändert wurde, wir neue Produktfotos gemacht haben, Hersteller ihre Produkte geändert haben, Lieferanten eine Produktvariante nicht mehr besorgen können, sich rechtliche Auflagen geändert haben oder weil ein Abmahnanwalt eine Produktbeschreibung zu ungenau findet usw. usw. usw.

    Da ist es ein Segen, wenn ein Lieferant eine Excel-Datei und keine Exoten-Datei zusendet, damit wir neue Produktdaten mal eben übernehmen und schnell in die Datenbank einpflegen können. Was für uns Arbeitsalltag ist, dass soll für diesen „Boersenbuchhändler“ eine Zumutung sein? Hoffentlich ist diese Einstellung für den unabhängigen Buchhandel nicht typisch … denn sonst ist der Buchhandel tatsächlich am Ende.

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    • Ich habe auch direkt bei boeserbuchhaendler gefragt, aber mir erschließt sich nicht das Problem an Excel. Zumal man Daten auch konvertieren kann …

      Allerdings verstehe ich auch nicht, welches Format er am liebsten hätte … – was wieder meine Sicht auch Buchhändler bestätigt …

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  3. Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen, nachdem ich ihn heute im Börsenblatt zitiert fand. Hauptberuflich in einem Verlag mit Ausrichtung auf Kunst, Architektur und Archäologie – also nicht gerade die Bereiche, aus denen regelmäßige Bestseller hervorquellen – tätig, kann ich den Kampf mit dem Buchhandel durchaus nachvollziehen. Mit Erfahrungen, die mal in die eine, mal in die andere Richtung tendieren – wie das Leben eben so ist.

    Eines möchte ich jedoch deutlich anmerken: Es ist ja nicht so, dass die stationären Buchhandlungen den erhaltenen Rabatt mal eben zum Verjubeln hätten. Nein, sie zahlen davon u.a. brav Steuern und Sozialabgaben. Wohingegen Amazon seine Einnahmen prächtig nach Luxemburg verschiebt. Und damit jede Menge Geld unserem gesellschaftlichen Sozialsystem entzieht – dass dann wiederum z.B. in der Bildung, also da, wo Leser entstehen, fehlt. Meine Meinung daher weiterhin: Amazon bitte nur mit Vorsicht genießen!

    Und zu dem im ein oder anderen Kommentar zu findenden Argument, man müsse bei Bestellungen über den regionalen Buchhandel selbigen letztlich zwei Mal aufsuchen: So ein bisschen Bewegung jeden Tag hält Geist und Körper frisch… ;-)

    Markus

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    • Danke für Ihre Sicht der Dinge. Ja, der Steuerabfluss nach Luxemburg ist sehr ärgerlich, doch solche Absurditäten kann nur der Gesetzgeber aus der Welt schaffen. Google, Starbucks, Apple gehören auch auf diese Liste. Wir haben nicht vor, Amazon zu verklären, sind aber eben für eine differenzierte Sicht.
      PS: Was steht denn im „Börsenblatt“? Wir hatten zwar einige Anrufe von Medien inzwischen, aber die Buchbranchenblätter waren interessanterweise nicht dabei ;-)

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      • Börsenblatt, Heft 8, 19. Februar 2015. Auf Seite 13 ist aus dem Text (mit Quellenangabe) zitiert: „Buchhändler verdienen mehr an einem Exemplar als der Autor. Ist das gerecht.“ Nur dies, ohne weiteren Kommentar.

        Und freilich, grundsätzlich kann diese Schlupflöcher nur der Gesetzgeber stopfen – ähm, wenn er denn ein Interesse dran hat, denn wer hat selbige überhaupt erst möglich gemacht? Da findet sich doch sicherlich ein schickes ökonomisches Argument dafür, dass solche Schlupflöcher letztlich sogar für uns alle zum Vorteil sind – wird in einem System doch allzu gerne systemimmanent argumentiert… Eben deshalb sollten wir unsere Kaufentscheidungen zumindest ein bisschen hinterfragen und von mehreren Seiten betrachten. Weil wir alle Teil unserer sozialen Umwelt sind und diese mit unseren Entscheidungen selbst fortgestalten. (Wow, wir haben Macht! :-)) Was selbstverständlich ebenfalls beinhaltet, dass sich Buchhändler_innen gelegentlich den ein oder anderen Gedanken über ihr Konzept machen sollten (und ich gehe davon aus, dass zahlreiche – trotz der im Text genannten Negativbeispiele – dies auch tun).

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    • Na klar, Autoren zahlen bekanntlich KEINE Steuern (schon gar nicht „brav“), haben KEINE Sozialabgaben (wenn sie Mit- oder Zuarbeiter haben. Autoren haben ihre Honorare ausschließlich zum VERJUBELN. Und natürlich KEINERLEI wirtschaftliches Risiko – da wahlweise reiche Ehepartner oder Eltern haben, nebenbei C4-Professoren sind, dauern Preise verliehen bekommen oder sowieso fett geerbt haben. Das bisschen Honorar ist nur das Sahnehäubchen auf dem Cappuccino.

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  4. Bin seit Kurzem selbst Autor und überrascht, welche Einblicke sich nun bieten.

    Ganz herzlichen Dank für diesen Artikel. Ein Kommentar noch zum stationären Buchhandel: als mein Vater bei dem örtlichen Dealer des Vertrauens mein Buch geordert hat, wollte er mal vorsichtig nachhaken, ob die Buchhandlung das interessant und spannend findet, einen ansässigen Autor zu verkaufen. Null Reaktion. Schade finde ich. Gerade hier böte sich dem Buchhandel die Gelegenheit aus dem Massenverkaufseinheitsbrei einmal herauszustechen. Und das – wie schon im Artikel erwähnt – völlig risikofrei. Unternehmerisches Denken scheint hier wenig ausgeprägt, dabei ist das eine altehrwürdige Institutuion hier in der Stadt.

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  5. Das in dem Artikel beschriebene Verhalten einiger Buchhändler trägt bei mir mit dazu bei, dass ich oft und gerne bei Amazon bestelle. Wozu gehe ich in eine Buchhandlung? Um mich inspirieren zu lassen, ins Buch reinzulesen. Wenn mir die Frage nach einem Buch mit „das kann ich Ihnen bestellen“ beantwortet wird sage ich „Danke nein, dann bestelle ich lieber bei Amazon“ – schliesslich muss ich dann nicht nochmal in die Buchhandlung pilgern. Passiert auch oft bei durchaus Standardisierten Titeln – aktuell fragte ich nach dem neuen Hardcover Kochbuch von Donna Hay und bekam zur Antwort: „Das ist so teuer, das bestellen wir nur auf Anfrage“ (wohlgemerkt: bei Thalia in Halle, was ja nun wirklich kein kleiner Händler ist). Andere Erlebnisse: das Buch, für das ich mich interessierte stand eingeschweißt in Cellophan im Regal. Die Bitte auf Auspacken und Reinschauen wurde mir mit dem Vermerk verwehrt, dass man es dann ja nicht mehr an den Verlag zurückgeben könne. Auch da war meine Standardantwort: sorry, dann kaufe ich lieber bei Amazon. Ich empfinde da auch mittlerweile kein Mitleid mehr für den Buchhandel – oftmals ist das, was man in Läden vor Ort erlebt, nicht mal im Ansatz als Dienstleistung am Kunden zu bezeichnen. Dennoch könnte ich mir eine Welt ohne Buchläden auch nicht vorstellen – und Euer Argument mit dem Prozentanteil: nunja: der Buchhändler trägt auch wesentlichm ehr Fixkosten wie Ladenmiete etc. Die Wahrheit liegt wohl wie bei so vielem in der Mitte. Eure Beispiele jedoch (zu einer Lesung nur 10 Exemplare zu bestellen) sprechen eine deutlich unprofessionelle Sprache – nach dem Motto: Kunde droht mit Auftrag / Leser droht mit Bücherkauf. Mir absolut unverständlich!

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  6. Mal ehrlich, wir leben im EU-vereinten Europa, da sind „Zahlungsausfälle“ o.ä. genauso gut – oder schlecht – einklagbar wie im eigenen Land. Und auch die Bezahlung läuft ständig ohne Mucken über Grenzen hinweg.

    Ich kann verstehen, dass höheres Porto lästig ist, aber ich würde auch sagen, der Direktverkauf sollte die 2 Euro doch wettmachen. Das klingt so nach Erbsenzählerei und – leider auch – Arroganz, als wären alle außerhalb GerMoneys zahlungsfeindliches Bananenrepublikenausland.

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  7. Es entspricht einfach auch meiner Erfahrung. Ich habe als Autor bei einem Buch mitgeschrieben. Bei Amazon war und ist das Buch bis heute gelistet.

    Also war ich mal beim „Buchladen um die Ecke“ und habe gefragt, ob die das nicht auch ausstellen wollen. Der Verlag ist zwar auch ein kleinerer, aber eben ein echter Verlag (KEIN Selfpublisher).
    Erst war die Chefin nicht da, beim zweiten Besuch auch nicht. Beim dritten hieß es dann „Lassen Sie uns mal eins zu Ansicht und Prüfung da“. Auf die Frage, bis wann denn geprüft werden würde, hieß es „Wissen wir nicht.“

    Also empfehle ich Leuten nun weiterhin Amazon und eben nicht den „kleinen Buchhandel um die Ecke“ …

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  8. Danke diesem wirklich interessanten Beitrag bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Stefan Schwarz ein neues Buch veröffentlicht hat. Das will ich direkt beim Verlag im Onlineshop kaufen, wegen „David gegen Goliath“ und „Einkaufen direkt ab Hof“ und so weiter.

    Leider beträgt das Porto für Lieferungen direkt vom Verlag zu mir nach Österreich 3 Euro. Amazon und Thalia.at beliefern mich versandkostenfrei.

    Die wirtschaftliche Logik hinter folgender Diskrepanz würde mich interessieren:

    Warum verkaufen Sie lieber mit sagenwirmal 35% Rabatt an Amazon oder Thalia, wenn Sie bei kostenlosem Versand den gesamten Umsatz mit mir zum Listenpreis selbst ernten könnten?

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    • Lieber Robert W. , das erklären wir gern. Normalerweise kostet uns die Buchlieferung innerhalb Deutschlands 1 Euro Versand. Die übernehmen wir als Verlag für unsere Direktbesteller, weil ja kein Zwischenhändler die Hand aufhält (und somit unsere Einnahmen immer noch sehr okay sind). Buchversand ins Ausland kostet derzeit 3 Euro, sodass wir die Differenz von 2 Euro in Rechnung stellen. Das haben wir Ihnen auch so geschrieben/ gemailt.
      Wenn Sie jetzt bei Thalia.at oder Amazon.at bestellen, versenden diese Anbieter aus Österreich natürlich zu günstigeren Konditionen.
      Durch unsere erhöhten Versandkosten (wir haben keine Poststelle in Österreich) wäre die von Ihnen zu recht erwähnte Ersparnis einer Direktbestellung wieder passé.
      Wir hoffen, das ist jetzt nachvollziehbarer. Wenn nicht: weiterfragen :-)

      Zitat aus unserer Mail: „das Porto nach Österreich ist leider 2 Euro (3 statt 1 Euro) höher, die wir Ihnen zusätzlich in Rechnung stellen müssten.
      Bei der Bestellung von mehreren Exemplaren/Büchern bleiben die 2 Euro unverändert.“

      Beste Grüße
      Chris Deutschländer

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      • Ich verstehe die Kalkulation bei einem Buch um 9,90 (bzw 10,30 in österreichischen Euro) und will Sie auch gar nicht hochnotpeinlich piesacken.

        Aber wenn ich weiter oben lesen, dass ein Verlag ein einzelnes Exemplar direkt an eine Buchhandlung versendet und damit 5,47 Euro Umsatz macht, kann ja das Handling im Versand nicht so teuer sein, dass man nicht ab einem gewissen Mindestumsatz – 29 Euro sind da recht üblich – portofrei ins befreundete Ausland versenden könnte und trotzdem wirtschaftlich gut abschneidet.

        Die Kollegen von Goliath machen das ja auch zum Teil.

        Möchten Sie überhaupt mit Konsumenten auf Tuchfühlung sein – aus wirtschaftlicher und organisatorischer Sicht?

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      • Aber ja, wir verkaufen natürlich auch gern direkt (aber das ist nur ein kleiner Teil des Gesamtumsatzes) und halten noch mal fest: In Deutschland ist jeglicher Buchversand an Privatkunden bei uns portofrei. Egal, ob ein oder zehn Bücher bestellt werden. Versand ins Ausland ist für uns nicht so reizvoll, da sind wir ehrlich, denn neben dem höheren Porto gibt es leider noch zwei kleine Haken: Zum einen ist die Bezahlung oft komplizierter und für uns unsicherer, zum anderen ist die Lieferverlässlichkeit der Post leider geringer (die verschiedenen Post-Unternehmen, die beteiligt sind, schieben Probleme immer gern den anderen zu) . Wir haben jahrelang eine Zeitschrift gemacht, die auch in Österreich und der Schweiz abonniert wurde – die Lieferausfälle waren bisweilen enorm. Bei den Büchern ist es etwas besser, aber eben auch nicht hundertprozentig sicher. Insofern und angesichts des Buchpreises von 9.90 Euro, um die es geht: Amazon.at oder Thalia.at sind da besser aufgestellt. Alle erfahrenen Versandhändler sind da klar im Vorteil, das ist nicht überraschend.

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  9. ielen Unternehmern fällt es immer noch leichter zu jammern und zu klagen, statt ihre Strategie zu hinterfragen bzw. den sich verändernden Situationen anzupassen.
    Dazu zählen auch viele Buchhändler und einige traurig-komische Beispiele gibt es in diesem Artikel zu lesen. Ich denke, die vielen positiven Beispiele an innovativen Buchhändlern, die selbst vor der gewaltigen Arbeit nicht zurückschrecken, falls sie von ihrem Remissionsrecht Gebrauch machen müssen (Bücher an den Verlag zurückschicken und die Paketkosten selbst zu tragen) werden letztlich in der Masse der stationären Buchhändler in Deutschland überwiegen. Eigentlich ist es mehr ein Hoffnungsschimmer.
    Natürlich gilt Amazon als der Sauron im Elfenland des Buchhandels, schließlich haben wir es hier a) mit einem Vertreter der Globalisierung zu tun, b) einer Erfolgsgeschichte, die Neid anzieht wie das Licht die Mücken und c) ist dieses Unternehmen nunmal eine Bedrohung für viele Händler, nicht nur theoretisch, sondern auch faktisch. Aber was tun viele Buchhändler dagegen? Richtig. Jammern. Das ist ja schließlich auch bequemer, kostet keinen müden Pfennig und da muss auch kein Paket geschnürt werden, denn in diesem Fall existiert kein Remissionsrecht. Vor allem gibt es mit Amazon endlich einen greifbaren Grund für das Scheitern und dabei muss man sich nicht mal die Hände schmutzig machen, geschweige denn aufstehen. Herrlich, nicht wahr?

    Was spricht eigentlich dagegen, sich als Buchhändler zu spezifizieren, neben Massenware auch exklusive Produkte ins Sortiment aufzunehmen? Die Kundschaft dafür aufzubauen? Über das Internet etwa? Über Werbung, die im Umkreis geschalten wird?
    “Internet? Das ist ja das Ding, wo die Amazon ja rum macht. Ne, das geht gar nicht!”
    Gut, dann eben nicht. Dann jammern wir besser weiter und knallen Autoren die Türe vor der Nase zu, weil diese Fatzkes es wagen, eine Lesung anzubieten. Im Buchladen sogar! Und wer zahlt den Strom und die Heizung in den zwei Stunden? Ne, das geht gar nicht!

    Danke für diesen Artikel, Frau Thieme und Herr Deutschländer. Endlich wurde es mal ausgesprochen.

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  10. Wirklich spannend ist doch, was Amazon bietet oder eben nicht bietet. Den so besonders innovativ sind die für die heutige Zeit nicht mehr, im Gegenteil, eigentlich nur noch groß und strategisch klug.

    Entweder man sucht den Artikel direkt, Stichwörter mit Ergebnissen nach Beliebtheit oder Charts. Ein reines Stöbern ist nicht wirklich möglich, höchstens über „Kunden kauften auch“. Keiner dieser Methoden ist besonders nischenfreundlich, im Gegenteil, Abseits der Kaufkraft und Beliebtheit geht sicher vieles unter. Das einzige, was eben gut ist, dass ein Produkt von einem kleinen Verlag, von einem einzelnen Händler prinzipiell, wie jedes andere gelistet ist. Die Auswahl ist riesig, man kann leicht darauf verlinken und auf der Artikelseite kann man eine ausführliche Beschreibung, Leseprobe, Kundenrezensionen (die bei Büchern im Gegensatz zu Elektronik scheinbar noch funktionieren) Ausgaben und andere Bücher des Autors/Verlages finden. Dann noch die Logistik, bei der Amazon einfach mit Technik und Kalkül vorangeht.

    Das alles ist kein Zauberwerk. Es stecken keine unglaublich komplexen Empfehlungs-Algorithmen dahinter und Vorschläge abseits des Mainstreams oder ein Stöbern abseits von Suchgegriffen ist geradezu unmöglich. Und dennoch, dadurch, dass alles verfügbar ist, und dadurch, dass wir sofort kaufen können wenn wir eine Empfehlung auf anderem Wege (Bekannte, Medien, Social Media, …) bekommen scheint der Bedarf nach persönlicher Beratung im Buchladen bereits ausgeglichen zu sein. Zudem müssen wir nicht das Haus verlassen uns nicht an Öffnungszeiten halten und auf kein Personal warten, dass dann nichtmal den Klappentext vom Buch kennt.

    Und Klar, Amazon ist bei der Logistik unschlagbar, muss es aber auch sein, so ganz ohne Filialen. Mit dem im Vergleich zu Postadressen übersichtlichen Netz an Filialen und den Handelsverbünden dürfte man da durchaus mithalten können. Und wenn ein Buch erst einen Tag später ankommt, gleit das der persönliche Kontakt und die Instant-Verfügbarkeit der Ware im Buchregal wieder aus.

    Vielleicht stimmt es auch und der Kunde hat schlichtweg kein Interesse mehr an der Dienstleistung im Laden oder ist mit der Qualität unzufrieden. Dann ist aber dennoch der Markt durch die Buchpreisbindung noch vergleichsweise sicher vor Riesenkonzerne wie Amazon, oder? Dann muss man die Wegrationalisierung auch irgendwann einsehen.

    Früher war der Buchladen noch ein Fenster in die weite Welt und voller neuem, heutzutage ist es eher eine Einschränkung des Angebotes, von der man allerdings dank Internet und Medien viel mehr spürt.

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  11. 35 % Rabatt sind in wirtschaftlicher Hinsicht einfach nicht das gleiche, wie die Margen, in denen sich die Ware anderer Einzelhändler bewegt, wo man mit Kalkulationsschlüsseln arbeitet. Schon allein deswegen lässt sich eine Remissionsquote gar nicht mit einer miteinkalkulierten prozentualen Verramschung vergleichen. Zumal Bücher, die nicht laufen, von Buchhändlern offziell gar nicht verramscht werden dürfen laut Preisbindungsgesetz. Unter anderem deswegen geben wir uns mit solchen Rabatten überhaupt zufrieden.
    Ich kann die Frustration des Autoren dieses Artikels zwar verstehen, aber pauschal über Buchhandlungen herzuziehen, weil sie das eigene Programm nicht an das Lager nehmen wollen, das klingt wie jemand, der Beleidigt ist, weil das Mädl, bei dem er fensterlt, ihn trotzdem nicht heiraten will – weil sie schon einen reichen Typen an der Angel hat. Das Jammern stellt ihn einfach in kein gutes Licht! Wenn ich gut verkäufliche Titel bei einem Kleinverlag entdecke, dann kaufe ich die ein. In der Tat ist es nämlich so, dass ich als wirtschaftlich denkender Mensch auch und vor allem daran interessiert bin, was sich rechnet, und weniger daran, das Ego der Autoren zu streicheln, die es aus irgendeinem Grund und trotz intensiver Versuche nicht zu den großen geschafft haben. Ja, es gibt interessante und gut arbeitende Kleinverlage. Die sind aber leider in der Seltenheit! Und eine Buchhandlung hat im Gegenzug zu Amazon auch nur begrenzt Regalmeter Platz. Ich weiß aber, wem ich diese Regalmeter in Zukunft nicht schenken werde. Vielen Dank für die Vorwarnung ;0)

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    • Na, Sie machen Ihrer Zunft ja keine Ehre. Anonym posten und mit Boykott drohen!? Wir haben wenig Bücher mit hohen Verkaufszahlen (durchschnittlich 10000 Exemplare pro Titel) verlegt. Keine Ladenhüter. Sie wurden im Buchhandel und über Amazon verkauft. Wir jammern nicht, sondern wundern uns über oft mangelnde Geschäftstüchtigkeit im Buchhandel und haben darüber mal geschrieben. So what?

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    • Äh, bitte was? 35 % sind nicht viel Marge? Ich weiß ja nicht, was Sie gewohnt sind – aber im Einzelhandel gibt es weitaus weniger Marge. Da sei nur der LEH genannt, oder auch die Computerbranche.
      Und ja, es ist mir schon klar, dass Sie ihr Personal und den Laden davon bezahlen müssen – und Ihre Mitarbeiter sich auch über die Neuerscheinungen informieren müssen. Aber so eine Aussage wie die Ihre läßt mich – wenn Sie denn wirklich Buchhändler sind, was ich ja nicht beurteilen kann – nur noch mehr den Kopf schütteln.

      Ich beschreibe es mal aus Kundensicht:
      Wenn ich eine Buchhandlung aufsuche, will ich auch einen Mehrwert haben ggü. dem Internet. Und der besteht mMn in einer guten Beratung, in Hinweisen auf Bücher, die ich nicht kenne und die nicht Mainstream sind. Und ganz besonders in Büchern, die im Regal verfügbar sind – auch die seltenen, die man sich dann mal angucken kann. Und wenn man dann noch bedenkt, dass Sie als Buchhändler keinerlei Risiko tragen und alles remittieren können …
      … ich werd wohl heute aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommen, sorry.

      Ihre Aussage zeigt mMn die typische kommerzielle Ausrichtung: mehr, immer mehr, alles Geld zu mir. So etwas paßt nicht zu einem Buchhändler! Nicht verwechseln: natürlich möchte ich, dass ein Buchhändler von seinem Laden leben kann. Solch eine Aussage wie die Ihre läßt mich nun noch genauer hinschauen bei den Buchhändlern hier vor Ort.

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  12. Mangelnde Ambitionen kann man im Handel an jeder Ecke erleben, seien es nun Bücher, Lebensmittel oder Klamotten.
    Meiner Meinung nach leidet der stationäre Handel aber auch daran, dass die Kundschaft in Deutschland einfach relativ wenig Service fordert und die Händler sich deshalb leicht schlecht bezahlte, un(aus)gebildete und entsprechend unmotivierte Mitarbeiter(innen) leisten können. Wenn in einer Buchhandlung die Verkäufer(innen) in ihrer Freizeit fast nichts lesen, wer soll denn dann gute Werke kleiner Verlage fürs Regal finden?
    Bei erfolgreichen IT-Konzernen wie Google ist es nichts Besonderes, wenn sich neue Angebote des Unternehmens aus Ideen „einfacher Mitarbeiter“ (Programmierer Nr. 102054) entwickeln, die diese nebenbei bei der Arbeit oder in ihrer Freizeit ausgetüftelt haben. Diese Innovativität erstickt, wenn man wie im freien Handel auf die nächstbesten und günstigsten Mitarbeiter setzt, und dann auch noch an Fortbildungen spart.

    Ich sehe auch solche Schlampigkeiten wie mangelnde Zahlungsbereitschaft darin begründet: Wenn man durch ständiges Herumwurschteln nicht auf die Schnauze fällt, gewöhnt man sich daran und zieht diese Einstellung auch in anderen Bereichen durch.

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